Tag 8: Zum 1wöchigen Geburtstag der besetzten Betty in Rostock

Aus dem Alltag eine*r Besetzer*in

Länger, als wir alle dachten, sitzen wir nun schon in dem alten Elisabethheim. Trotzdem haben wir uns glücklicherweise gut vorbereitet auf so eine Situation. Zumindest die meisten von uns. 🙂

Wo es jedoch an frischen Socken fehlt, an warmen Textilien, Ideen, nützlichem zu tun oder seelischem Komfort, da wird in der Gruppe ausgeholfen, geteilt und aufgemuntert. Die Stimmung ist bis auf ein paar natürliche Höhen und Tiefen – die nicht ausbleiben, wenn mensch eine Woche ohne Ausgang und Zufuhr von Grundnahrungsmitteln und Genussgütern in einem mit Absicht heruntergekommenen, feuchten Haus verbringt- erstaunlich gut.

Wir sind trotz der Belagerung durch die Polizei fest entscholossen, weiter an unserem Widerstand festzuhalten und diesen Ort gemeinsam mit den Menschen der KTV und allen, denen die Schaffung von sozialen Freiräumen und die Erhaltung denkmalwürdiger Häuser und Bäume am Herzen liegt, aus der jahrelangen Vernichtungsplanung zu retten und zu einem sozialen Treffpunkt zu machen.

Und was tut mensch so am Besten, im Haus sitzend und auf den Ausgang der Verhandlungen wartend? Naja, mit unseren bescheidenen Mitteln, die wir hier drin seit Beginn der Besetzung haben, versuchen wir natürlich schonmal ein wenig anzufangen. Zumindest offene Dachfenster können vor Regen und weiteren Feuchteschäden verschlossen werden, sanierungsbedürftige Räume versperrt, damit es nicht überall nach Schimmel riecht und Gefahrenzonen vorerst unschädlich gemacht sind. Groß anfangen zu sanieren können wir natürlich noch nicht. Wie auch; die Polizei verhindert ja die Materialzufuhr. „Aber zumindest putzen und aufräumen,“ haben sich ein paar ambitionierte Menschen hier drin gedacht, „kann man grob auf jeden Fall schon!“ Es soll ja möglichst wohnlich sein 🙂 So wird gelüftet, ein klener halbkaputter Besen hat es geschafft, das halbe Haus zu fegen – eine enorme Leistung, und er fegt immernoch! Frisch mit Seife und Regenwasser gewaschene Socken hängen auf der Wäscheleine und einige weitere tolle Sachen sind in dieser Woche entstanden.

Worüber wir uns sehr freuen würden, wäre, wenn es die UnterstützerInnen draußen schaffen würden, unsere „Freunde und Helfer“- die Polizei mal zu überzeugen, den Zugang zur Betty wieder zu öffnen. Wir hätten ja wirklich gerne mal Gäste für unser offenes Café im Erdgeschoss. Solange die aber so fies bleiben, geht das noch nicht mit der Eröffnung.

Des weiteren haben wir aber auf jeden Fall massig Wohnraum für weitere Besetzis und würden diese aufs herzlichste gern auch aus allen Teilen Deutschlands (oder von weiter weg) begrüßen, unsere Betty mit uns zu verteidigen. Natürlich friedlich.

 

Aufständische Grüße,

die BesetzerInnen des Elisabethheims.

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Ein Kommentar zu Tag 8: Zum 1wöchigen Geburtstag der besetzten Betty in Rostock

  1. respecteachother sagt:

    Höchster Respekt an und für Euch. Bleibt widerständig.

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