Zum 1wöchigen Geburtstag der besetzten Betty in Rostock

Aus dem Alltag eine*r Besetzer*in

Länger, als wir alle dachten, sitzen wir nun schon in dem alten Elisabethheim. Trotzdem haben wir uns glücklicherweise gut vorbereitet auf so eine Situation. Zumindest die meisten von uns. 🙂

Wo es jedoch an frischen Socken fehlt, an warmen Textilien, Ideen, nützlichem zu tun oder seelischem Komfort, da wird in der Gruppe ausgeholfen, geteilt und aufgemuntert. Die Stimmung ist bis auf ein paar natürliche Höhen und Tiefen – die nicht ausbleiben, wenn mensch eine Woche ohne Ausgang und Zufuhr von Grundnahrungsmitteln und Genussgütern in einem mit Absicht heruntergekommenen, feuchten Haus verbringt- erstaunlich gut.

Wir sind trotz der Belagerung durch die Polizei fest entscholossen, weiter an unserem Widerstand festzuhalten und diesen Ort gemeinsam mit den Menschen der KTV und allen, denen die Schaffung von sozialen Freiräumen und die Erhaltung denkmalwürdiger Häuser und Bäume am Herzen liegt, aus der jahrelangen Vernichtungsplanung zu retten und zu einem sozialen Treffpunkt zu machen.

Und was tut mensch so am Besten, im Haus sitzend und auf den Ausgang der Verhandlungen wartend? Naja, mit unseren bescheidenen Mitteln, die wir hier drin seit Beginn der Besetzung haben, versuchen wir natürlich schonmal ein wenig anzufangen. Zumindest offene Dachfenster können vor Regen und weiteren Feuchteschäden verschlossen werden, sanierungsbedürftige Räume versperrt, damit es nicht überall nach Schimmel riecht und Gefahrenzonen vorerst unschädlich gemacht sind. Groß anfangen zu sanieren können wir natürlich noch nicht. Wie auch; die Polizei verhindert ja die Materialzufuhr. „Aber zumindest putzen und aufräumen,“ haben sich ein paar ambitionierte Menschen hier drin gedacht, „kann man grob auf jeden Fall schon!“ Es soll ja möglichst wohnlich sein 🙂 So wird gelüftet, ein klener halbkaputter Besen hat es geschafft, das halbe Haus zu fegen – eine enorme Leistung, und er fegt immernoch! Frisch mit Seife und Regenwasser gewaschene Socken hängen auf der Wäscheleine und einige weitere tolle Sachen sind in dieser Woche entstanden.

Worüber wir uns sehr freuen würden, wäre, wenn es die UnterstützerInnen draußen schaffen würden, unsere „Freunde und Helfer“- die Polizei mal zu überzeugen, den Zugang zur Betty wieder zu öffnen. Wir hätten ja wirklich gerne mal Gäste für unser offenes Café im Erdgeschoss. Solange die aber so fies bleiben, geht das noch nicht mit der Eröffnung.

Des weiteren haben wir aber auf jeden Fall massig Wohnraum für weitere Besetzis und würden diese aufs herzlichste gern auch aus allen Teilen Deutschlands (oder von weiter weg) begrüßen, unsere Betty mit uns zu verteidigen. Natürlich friedlich.

 

Aufständische Grüße,

die BesetzerInnen des Elisabethheims.

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Tag 7: Morgen zur Betty / Verhandlungen vom Studentenwerk unterbrochen

Immernoch dürfen keine Nahrungsmitteln zugeführt werden.

Es sind immernoch mehrere Polizeiautos samt Sicherheitsdienst auf dem Gelände.

Morgen um 10 Uhr ist an der Betty ein Pressetermin vom Studentenwerk und einem Bausachverständigen. Forderung ist, dass die Besetzer raus kommen und straffrei davon kommen. Und dann könnte man angeblich weiter reden.

Wer kann morgen um 9:30 Uhr zur Betty kommen und solidarisch zeigen.

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Tag 5 und 6: Was für ein Wochenende

Die Polizei hat weiterhin verhindert, dass Nahrungsmittel und Wasser den Besetzer*innen zugeführt werden können. Am Samstagabend umstellte wiederholt eine Einheit der Bereitschaftspolizei das Haus. Mehrere Flutlichter wurden zur Beleuchtung des Gebäudes aufgestellt. Da es zu Beschwerden durch Anwohner kam, konnte die Polizei nicht die volle Lichtintensität nutzen. Die Unterstützer*innen haben die Tage über auf dem Mensa-Gelände verbracht. Einzelne Beamte nervten anwesende Unterstützer*innen mit dummen Sprüchen. Laut Ansage der Polizei von Samstag würden die Besetzer*innen nur eine ID-Behandlung bekommen, könnten was von der „Küfa“ (Küche für alle) (war Samstag) essen und würden dann einen Platzverweis erteilt bekommen. Die Besetzer*innen lehnten ab, es kam zu lauten Solidaritätsbekundungen, Musik schallte über den Innenhof. Es kam am Wochenende zu mehreren Platzverweisen gegen Unterstützer*innen, als diese die Forderung der Nahrungsmittelzugabe in die Tat umsetzten. Ein Platzverweis wurde ausgesprochen, weil Beamte bei ihrer Arbeit gefilmt wurden. Passanten haben einen Beutel über den um das Haus aufgestellte Bauzaun geworfen und dort drin enthalten waren scheinbar Lebensmittel. Die Polizei öffnete mithilfe des Sicherheitsdienstes den Zaun und konfiszierte die Tüte. Das abstellen von Tüten vor dem Zaun sei laut Aussage der Polizei erlaubt?!

In der Nacht zu Sonntag rückten fast alle Polizisten ab. Über den Tag verteilt war ein Polizeiauto und ein Sicherheitsdienstwagen anwesend. Wir haben den Sonnentag genutzt, um UV-Strahlen einzufangen, damit wir auch für die kommenden Tage genug Kraft haben.

Gebt uns Zugang zur Nahrung! Besucht uns!

Wir halten durch!

#bettybleibt

 

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Stichwort „Betty bleibt“

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Tierische Doku der Polizei MV

Seit Freitag rückt die Polizei aus mit schwerem Gerät: Scheinwerfer, Kameras, Taschenlampen und Menschen mit Schutzkleidung. Ziel ist das Elisabethheim in der Ulmenstraße in Rostock. Hier wurde in den letzten Tagen mehrfach von einer neuen, seltenen Spinnenart berichtet – die Bettyspinne. Und deswegen ist man mit dem ganzen Equipment vor Ort – die Staatsmacht will als erstes Bildaufnahmen hiervon haben.

Die Bettyspinne ist sehr selten, sie kommt um genau zu sein nur in der Ulmenstraße 45 vor. Sie ist unglaublich scheu und besonders Lichtempfindlich. Das stellten auch die Beamt_Innen schnell fest, als sie mit ihren Lichtkegeln und Fotoblitzen die teils offenen Fenster des Elisabethheim begutachteten. Kurz erblickt verkroch sie sich wieder. Mit ihren 161 Beinen ist die kleine, haarige Spinne sehr flink. Sie ist blau schimmernd von der Farbe her und ihre drei Augen sind von einer Hassi geschützt.

Netze spinnt sie nicht, sie liebt Weinflaschen – am besten 10 an der Zahl. Die letzten Tropfen darin schmecken lecker und es ist ein gutes Versteck.
Eine besondere Anziehungskraft richten leider Uniformen auf die kleine Bettyspinne aus. Mit ihren vielen teils verdeckten Taschen sind sie ein ideales Versteck um Eier abzulegen. Auch der Helm ist ein schöner Platz zum ausruhen. Da von Uniformen aber auch oft eine große Gefahr ausgeht, verzieht sich diese seltene Spinne lieber in die vielen Räume im Haus zurück. Wenn der Putz dort nicht mehr von den Wänden fällt, kann es sehr gemütlich werden.

So standen und stehen auch die Beamt_Innen etwas enttäuscht vor dem Zaun, da sich die Bettyspinne kaum zeigt.
Wer weiß wie es die nächsten Tage und Nächte aussieht. Das kleine Tierchen ist schon sehr willensstark, auch wenn es vielleicht kaum Nahrung zu sich nimmt.

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Tag 4: Betty wird belagert

Eine Stellungnahme von Besetzer*innen:

Es war nie falsch, das Elisabeth-Heim zu besetzen


Tag 4 – Betty wurde belagert

Bereits am Vormittag wurde die Zufuhr von Nahrung durch die Polizei verweigert. Damit sind die heutigen Verhandlungen über Nahrungsmittel, Kleidung und das Wohnzimmer gescheitert. Montag soll es lt. Absprachen mit den Verhandlungen über unsere Forderungen weitergehen.

Der Geschäftsführer des Studierendenwerk ist ins Wochenende gegangen und hat seine Verantwortung an die Polizei abgetreten. Die Polizei belagert das Haus und leuchtet die Rückseite mit einem Flutlicht aus. Bereitschaftspolizist*innen umstellten es und laut Durchsage soll damit verhindert werden dass Material, Nahrung und Menschen ins Haus kommen. Zeitweise waren die Beamten aggressiv, wenn man sich angeblich zu dicht am Zaun bewegt hat.

Das nur gestern abgesperrte Wohnzimmer wurde ausgeräumt. Uns wurde unsere Feuertonne vom Hausmeister des Studentenwerks gestohlen. Eine Feuertonne zu entzünden wurde uns untersagt. Wir hatten trotzdem einen lohnenswerten Abend. Einige Unterstützer*innen kamen hinzu. Danke für die Musik!

Wir fordern den Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln! Hierbei handelt es sich um passive Körperverletzungen! #Rostock #ktv #bettybleibt

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Es war nie falsch das Elisabeth-Heim zu besetzen

Sehr häufig wurde uns von Kritikern gesagt, dass wir den Student*innen den Wohnraum nicht gönnen würden und dass es nichts bringe, das Haus zu besetzen. 
Nein! Das, was wir tun ist richtig und wichtig! Anstatt nur zu reden und Unmut zu sähen, muss man handeln! Und da die Bevölkerung massiv ignoriert, getäuscht und übergangen worden ist und alle Mühen der letzten Jahre erfolglos waren, sind wir nun gezwungen von dem Mittel der Besetzung Gebrauch zu machen, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Nur so konnten wir die derzeit laufenden Verhandlungen herbeiführen.

Wir machen das nicht aus reinem Eigennutz, sondern wir wollen die linken und bürgerlichen Kreise in Rostock dazu auffordern, gegen den Kapitalismus und die Gentrifizierung aktiv zu werden. 
Wir stehen für einen konstruktiven Wiederaufbau des Gebäudes und eine transparente Einbeziehung der Bürgerschaft. Unser Ziel ist, einen sozialen Freiraum zu schaffen, in dem jede*r Vorstellungen einer bunten Stadt ausleben kann. Selbstverständlich wollen auch wir alternativen bezahlbaren Wohnraum ermöglichen. Ist eine große Mensa und mehr Parkraum wirklich wichtiger als das?
 Doch selbst wenn wir Erfolg haben sollten, wird es natürlich nicht einfach werden. Das ist uns bewusst.

Es gibt viel zu tun, darum lasst uns jetzt gemeinsam aktiv werden!
Die Polizei verweigert den Unterstützer*innen zurzeit, uns mit Lebensnotwendigem zu versorgen. Sowas nennt man Belagerung und, um juristisch zu sprechen, passive Körperverletzung. Wir lassen uns von dieser Repression nicht einschüchtern und üben uns weiter in friedlichem Widerstand.

Leute, kommt her und zeigt Solidarität! Wir brauchen Eure Unterstützung, um dem Druck auch weiterhin standhalten zu können.
An dieser Stelle möchten wir allen bisherigen Supporter*innen „Danke!“ sagen. Ohne Euch wäre all dies nicht möglich gewesen. Ihr habt eine großartige Arbeit geleistet!

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Tag 3: Haus weiterhin besetzt – Verhandlungen haben begonnen

Am Vormittag wurden Personenkontrollen durchgeführt. Im Laufe des Nachmittags wurde unser „Wohnzimmer“ abgesperrt. Die Sicherheitsfirma, Polizei, Handwerker*innen und die Feuerwehr besichtigten das Gebäude von außen. Zur gleichen Zeit solidarisierten sich Unterstützer*innen vor Ort und im Netz.

Handwerker öffneten eine Tür, was zu Verwirrungen führte. Die Verhandlungen begannen und die Besitzer*innen stellten ihre Forderungen. Morgen werden die Gespräche fortgesetzt.

Im Haus ist die Stimmung gut und draußen auf dem Hof finden jeden Abend gemütliches Beisammensein mit Feuerchen und Bierchen statt. Holz, Essen und Getränke sind immer willkommen (und siehe Materialliste)!

Die nächsten Tage sind verschiedenste Veranstaltungen geplant; kommt vorbei und macht euch selbst ein Bild.

Wir bleiben friedlich widerständig – Betty bleibt!


Unsere nächsten Veranstaltungstipps:

  • Freitag, 13.10.2017

19.00 Uhr Supporter-Treffen an der Betty.
Im Anschluss gemütliches beisammen sein an der Feuertonne mit Musik und offenem Grill. Bringt Grillgut mit und grillt es euch. Wir haben Getränke gegen Spende.

  • Samstag, 14.10.2017

18.00 Uhr Supporter-Treffen an der Betty.
Im Anschluss feierliches beisammen sein mit Musik und leckerem Essen. Eine „Küche für alle“ wird vor Ort sein und für volle Bäuche sorgen. Lasst uns feiern, zusammen sein und die Wärme der Feuertonne nutzen. Essen und Getränke gegen Spende.

Wir brauchen regelmäßig neues Holz für die Feuertonne!

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Tag 2: Vom Abriss bedrohtes Haus weiterhin besetzt

Die Besetzer*innen befinden sich noch immer in der Betty und nehmen
Reperaturarbeiten vor.  Sie werden auch weiterhin das Gebäude nicht verlassen.
Seit ca. 17 Uhr ist die Polizei präsent und verhindert weitere
Materialzufuhr. Vom Studierendenwerk liegt noch keine Stellungnahme vor.

Betty bleibt!

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Wir brauchen Material!

Hallo ihr da draußen!

Wir sind fleißig am bauen und uns fehlen dafür  noch folgende Materialien. Wenn ihr was davon rumliegen habt, bringt es vorbei!

Baumateralien
Dachlatten
Dachziegel
Farben
Bauholz
Holzplatten
Verteiler/Kabel
Bohrmaschine
Schloss
Schlüsselschrauben
Gewindestangen
Winkel
Stahlbohrer
Licht
Metallschaniere
Schieberiegel
Maschendraht
Steine
Eimer
Reinigungsmittel

Lautsprecher
Kupferkabel für Lautsprecher

Ansonsten brauchen wir noch:

Gaskocher
Küchenutensilien
Grundnahrungsmittel
Tabak, Kaffee, Milch
Tassen etc.

Bringt es zur Betty, optiomal zu den Veranstaltungen.

Vielen herzlichen Dank!!!

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